TüBus-Ladeinfrastruktur: 23-Millionen-Förderung stärkt die Elektrifizierung des Tübinger ÖPNV

Bau der ersten größeren Ladestandorte in Vorbereitung | Ende 2027 werden in Tübingen 47 Linienbusse elektrisch, leise und emissionsfrei durch die Universitätsstadt rollen. Das sind dann rund 60 Prozent der TüBus-Flotte. An der Elektrifizierung des Tübinger ÖPNV arbeiten die Stadtwerke Tübingen und die TüBus GmbH seit vielen Jahren. Jetzt erhielten sie aus den Händen von Ministerialdirektor Dr. Christian Schneider den Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg über knapp 23 Millionen Euro, der den Ausbau der Bus-Ladeinfrastruktur kräftig anschiebt. Die TüBus GmbH, Tochtergesellschaft der Stadtwerke Tübingen, bereitet schon den Bau der ersten größeren E-Bus-Ladestandorte vor.

Symbolische Übergabe des Förderbescheids des Landes Baden-Württemberg und Präsentation der ersten Tübinger Pantographen-Ladehaube. (v.l.n.r. Ministerialdirektor Dr. Christian Schneider, Fabian Hölz (Regierungspräsidium Tübingen), Johannes Schwarzer (TüBus GmbH), Christoph Joachim (Gemeinderat Tübingen), Robert Kugler (TüBus GmbH), Hans Zeutschel (verdeckt, TüBus GmbH), Knud Hädicke (TüBus GmbH), Oberbürgermeister Boris Palmer). (Foto: swt/Schermaul)

Mit Hilfe der Pantografen-Ladearme laden die E-Busse zukünftig schnell und unkompliziert an neuen dezentralen Ladeplätzen im Stadtgebiet auf. (Foto: swt/Schermaul)

An einer solchen Ladehaube docken die E-Busse mit ihren Pantografen-Ladearmen an, um schnell ihre Batterien aufzuladen. (Foto: swt/Schermaul)

Projektleiter Robert Kugler von der TüBus GmbH erläutert das Ausbauprojekt zur Tübinger E-Bus-Ladeinfrastruktur vor den Gästen beim Pressetermin. (Foto: swt/Schermaul)

Der Ausbau der E-Bus-Ladeinfrastruktur in Tübingen wird vom Bund gefördert. (Grafik: NOW/PtJ)

Der Förderbescheid gibt TüBus Planungs- und Finanzierungssicherheit für sein großes Ziel: Eine zu großen Teilen elektrische Busflotte bis Ende 2028. Die Konzepte für die dafür benötigte Ladeinfrastruktur (LIS) sind schon seit einigen Jahren in Arbeit. Die Komplexität eines elektrifizierten Linienbusverkehrs ist hoch. Fahrzeuge, Ladezeiten und Bus-Verkehrsplanung müssen präzise aufeinander abgestimmt sein. Bei einem Vor-Ort-Termin am Busbereitstellungsplatz Europastraße wurde deshalb nicht nur der Förderbescheid offiziell übergeben. TüBus präsentierte einen der neuen Pantographen-E-Busse und stellte die laufenden Planungen und anstehenden Bauvorhaben vor.

Ministerialdirektor Dr. Christian Schneider sagt: „Hier entsteht eine zukunftsweisende und effiziente Infrastruktur für die Busse in Tübingen. Das Ladenetz für die Busflotte zeigt, wie modernste Technologie den ÖPNV stärkt. Damit verbessern wir die Mobilität, die Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes und tragen zusätzlich zum Klima- und Umweltschutz bei. Ich freue mich, dass wir als Verkehrsministerium die Stadtwerke Tübingen dabei finanziell unterstützen können. Die Zukunft unseres öffentlichen Nahverkehrs können wir nur gemeinsam gestalten.“

„Klimaschutz im Nahverkehr wird erst dann Realität, wenn die Infrastruktur dahinter funktioniert. Mit der Übergabe des Förderbescheids über 23 Millionen Euro für die neue E-Bus-Ladeinfrastruktur schafft das Land eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass wir den emissionsfreien Busverkehr in Tübingen konsequent ausbauen können“, sagt Boris Palmer, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen und Vorsitzender des swt-Aufsichtsrats. „Dafür danke ich dem Land Baden-Württemberg ebenso wie den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtwerke, die dieses Mammutprojekt beharrlich voranbringen.“

Die beiden Geschäftsführer der TüBus GmbH, Knud Hädicke und Hans Zeutschel, sagen: „Für die Elektromobilität im ÖPNV braucht es erhebliche Investitionen. Ohne Fördermittel, die im Falle unseres Projekt von Seiten des Landes rund 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten betragen, ließen sich solch große Umbaumaßnahmen nicht umsetzen. Dieser Zuschlag für Landesfördermittel schafft deshalb jetzt gute Voraussetzungen, dass TüBus den eingeschlagenen Weg zur Elektrifizierung seiner Busflotte mit erhöhtem Tempo weitergehen kann. Das freut uns sehr! Die Umstellung eines Großteils unserer Flotte auf E-Busse, für die eine entsprechende Ladeinfrastruktur die Voraussetzung ist, hat mehrere positive Aspekte: Die Luft bleibt sauberer, Emissionen und Fahrzeuglärm werden reduziert, das Klima geschont, die Fahrgäste erleben einen hohen Fahrkomfort in den E-Bussen – und nicht zuletzt machen elektrische Antriebe TüBus unabhängiger von belastenden Preisexplosionen für fossile Kraftstoffe. So gelingt uns eine moderne und zukunftsfähige Ausrichtung für den Tübinger Stadtbusverkehr.“  

50 Meter Ladeschiene für Pantographen-Ladung

Seit 2025 bereits fahren einige neue E-Busse durch Tübingen, die technisch ausgerüstet sind, um an Pantographen-Ladestationen zu laden. Nach dem Ausfahren seines Ladearms (Pantograph) auf dem Dach verbindet sich der E-Bus zum schnellen Aufladen mit einer Ladehaube, die an einer Brückenkonstruktion hängt. Das Laden geht dadurch deutlich schneller als per Ladekabel, zudem können höhere Ladeleistungen übertragen werden: Bis zu 360 Kilowatt (kW) Ladestrom liefert jede Ladehaube. Neun Stück von ihnen sollen 2027 am neuen Ladestandort auf dem Busbereitstellungsplatz an der Europastraße in Betrieb gehen, dazu noch zwei Stecker-Ladeplätze. Zwei weitere Pantographen-Ladepunkte mit jeweils 360 kW entstehen am Omnibusbahnhof (ZOB). Fünf Stecker-Ladeplätze kommen auf dem Betriebsgelände der Omnibusfirma Schnaith dazu. Und bereits seit dem Frühjahr bereitet TüBus auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Autohauses Kimmerle in der Schaffhausenstraße 21 neue Pantographen- und zwei Stecker-Ladeplätze vor – zukünftig ist es der größte dezentrale Bus-Ladestandort im Stadtgebiet.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur erstreckt sich über mehrere Ausbaustufen, von denen als erste die Standorte am ZOB und auf dem Betriebsgelände Schnaith bis Ende 2026 umgesetzt sein sollen. 2027 folgt der Ladestandort am Busbereitstellungsplatz. Dann steht ein Großteil der zukünftigen Ladeinfrastruktur – und damit die Basis für weitere ergänzende Standorte im Stadtgebiet, die bis Ende 2029 umgesetzt werden, unter anderem auf Waldhäuser Ost und in weiteren strategisch ausgewählten Stadtvierteln.

Konzept aus Pantographen-Ladetechnik und Zwischenladung

In einigen anderen Städten, wie zum Beispiel Ulm, Freiburg, Köln, Hamburg oder Berlin, sind Pantographen-Busse schon seit längerem im Einsatz. Die Technik, die jetzt auch nach Tübingen kommt, bringt vereint mehrere Vorteile – aus technischer Sicht und auch für die Organisation des Busbetriebs. Das Laden ist deutlich schneller als per Stecker. Das ist wichtig, um die E-Busse zügig aufzuladen und wieder auf Linie zurückschicken zu können – und es sorgt für geringere Betriebsunterbrechungen. Schnelle Zwischenladungen und regelmäßige Lade-Stopps im Tagesverlauf, bieten auch die Option, weniger Batterien auf dem Dach eines E-Busses installieren zu können. Oder es lassen sich Batterien mit weniger Kapazität einsetzen – beides ein Kostenvorteil bei der E-Busbeschaffung.

Die Entscheidung, für den elektrifizierten Busverkehr in Tübingen auf die Pantographen-Technik mit Zwischenladungen zu setzen, war eine Richtungsentscheidung. Intensiv hatten sich die TüBus-Verantwortlichen und der Aufsichtsrat in Workshops bereits vor einigen Jahren mit unterschiedlichen Varianten beschäftigt, wie man in Tübingen optimalerweise eine E-Bus-Flotte betreiben kann. Ein wichtiger Punkt dabei: Für die Fahrgäste in Tübingen soll der hohe Standard beibehalten werden. Verlässlichkeit, Komfort und Pünktlichkeit stehen ganz oben. Damit das funktioniert, müssen alle Prozesse zusammenpassen. Eine große E-Bus-Flotte bringt dabei zusätzliche Faktoren ins Spiel, indem Ladezeiten, Ladezyklen, Reichweiten und die dazugehörigen Einsatzzeiten der unterschiedlichen E-Bus-Modelle für eine sogenannte ‚energiebasierte Umlaufplanung‘ einfließen müssen.

TüBus setzt auf die Kombination aus Über-Nacht- und Zwischenladungen. Während an den dezentralen Ladestandorten überwiegend nachts eine größere Zahl an E-Bussen für den Tageseinsatz geladen werden, ermöglichen Ladestationen im Stadtgebiet Zwischenladungen. Das reduziert nächtliche Ladespitzen, erhöht die Effizienz bei der Batterienutzung und erhöht die Lebensdauer der Batterien. Im operativen Linienbusbetrieb erhöhen Zwischenladungen die Reichweite der Fahrzeuge. Das heißt, ein E-Bus kann mehr Kilometer absolvieren. Positiver Effekt: Dieselbe Kilometerzahl kann mit weniger Fahrzeugen absolviert werden. Ohne Zwischenladungen würden mehr E-Busse benötigt, für manche Linienumläufe bräuchte es dann mehrere. Bei den gegenüber fossil betriebenen Dieselbussen erheblich höheren Anschaffungskosten für einen Elektrobus ist das aus Kostenperspektive ein zusätzliches wichtiges Pro-Argument für die geplante Pantographen-Infrastruktur.

Umstellung der Busflotte und Aufbau der Ladeinfrastruktur als synchrone Prozesse

Die Umstellung der TüBus-Flotte auf elektrische Fahrzeuge läuft schon seit etlichen Jahren. Die Fahrzeuge werden mit rund elf Millionen Euro im Rahmen eines Bundesförderprogramms gefördert, ein Teil der Fahrzeuge mit Mitteln aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzt (GVFG). Als wichtig für die Planungen erwies sich dabei eine vom Bund bewilligte Verlängerung des Zeitraums, um das Vorhaben umzusetzen. Aktuell sind bereits 27 TüBusse elektrisch in der Stadt unterwegs. Einige der Gelenkbusse sind bereits mit Pantographen bestückt. Die E-Busse in Tübingen verfügen außerdem über Klimaanlagen. Neun geförderte Gelenkbusse kommen 2026 noch hinzu. 2027 weitere neun, sowie zwei Solobusse. Insgesamt werden dann 47 Busse – rund 60 Prozent der Flotte – mit Ökostrom angetrieben.  

Bis die ersten Pantographen-Ladevorgänge am Busbereitstellungsplatz zu beobachten sein werden, dauert es noch etwas. Zunächst müssen vor Ort die infrastrukturellen Voraussetzungen mit entsprechenden Anschlüssen an das Stromnetz geschaffen werden. Verschiedenen Umbauarbeiten finden in den nächsten Monaten statt, bevor die geplante Ladeschiene mit den neun Ladehauben montiert werden kann.

Im Frühjahr 2027 dürften dann die ersten Pantographen-E-Busse an der Europastraße beim Schnellladen zu sehen sein – ein neuer Anblick im Straßenbild Tübingens.

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Informationen zur Förderung

Ladeinfrastruktur: Das Projekt erhält die Zuwendung des Landes Baden-Württemberg zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) für die „Errichtung der Ladeinfrastruktur zur Elektrifizierung der Busflotte in Tübingen“ in Höhe von 22.361.989 Euro.

Elektrifizierung Busflotte: Das Projekt „TueBus2025_1_Stadtwerke Tübingen GmbH_Neufahrzeuge“ wird im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Bussen mit alternativen Antrieben im Personenverkehr mit insgesamt 11.039.339,20 Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert. Fördermittel dieser Maßnahme werden auch im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) über die europäischen Aufbau- und Resilienzfazilitäten (ARF) im Programm NextGenerationEU bereitgestellt. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt.