Der Anteil regenerativ erzeugter Wärme im Netz, zum Beispiel aus Solarthermie, soll sukzessive steigen – und damit entsprechend den Anteil fossil erzeugter Wärmemengen kontinuierlich verdrängen. Mit dem Solarthermiepark Au, den die swt Ende 2025 in Betrieb genommen haben, steht bereits eine von mehreren geplanten Anlagen, die es für die Wärmewende in der Universitätsstadt braucht. Für ein weiteres wichtiges Standbein, die Abwasserwärmepumpe am Klärwerk, hatten die swt im März 2026 eine Förderung über 23 Millionen Euro vom Bund erhalten. Die Planungen und erste Ausschreibungen laufen bereits, ab 2028 soll gebaut werden. Damit die Wärmewende gelingt, bauen die Stadtwerke das Netz mit großen Schritten weiter aus. Seit 2012 ist es um 46 Prozent gewachsen. 73 Kilometer Leitungen liegen inzwischen im Stadtgebiet. Neue Hauptentwicklungsachsen, die zukünftig steigende Wärmemengen von den dezentralen Erzeugungsstandorten in die Stadt verteilen sollen, sind im Bau – besonders deutlich zu sehen seit letztem Sommer in der Südstadt und in Richtung Derendingen, wo die neue Trasse vom Hechinger Eck bis zum Schulzentrum Feuerhägle und zum Behördenviertel Mühlbachäcker verlegt wird.
Heizwerk Mühlbachäcker: Unterschiedliche Rollen in zwei Phasen
Mit der 2027 fertigen neuen Leitungstrasse in der Südstadt und im Areal Mühlbackäcker bietet sich für anliegende Gebäude, Firmen, Händler, Einrichtungen und Behörden eine Anschlussmöglichkeit an die Fernwärme. Die dafür notwendigen Wärmemengen stehen allerdings erst mit der ersten Ausbaustufe der Abwasser-Wärmepumpe ab 2030 bereit. Um übergangsweise diese Lücke zu schließen, keine Zeit zu verlieren und deutlich früher mehr Fernwärmeanschlüsse zu ermöglichen, bauen die Stadtwerke gegenüber des Sparkassen-Carré ein Spitzenlast- und Reserve-Heizwerk. Dabei sind zwei Phasen vorgesehen, in denen sich die Rolle des Heizwerks wandelt. In der ersten Phase erfüllt das Heizwerk drei wichtige Funktionen: Es ersetzt ältere gasbetriebene Heizzentralen (Loretto und Kepler-Gymnasium) durch eine effizientere moderne Anlage. Außerdem können die swt durch das Heizwerk neue Fernwärmeabnehmer schon deutlich früher als 2030 anschließen. Und schließlich sorgt die Anlage im Fernwärmenetz insgesamt für Stabilität und Versorgungssicherheit.
Mit der zweiten Phase ändert sich die Rolle des Heizwerks grundlegend. Sobald die Großwärmepumpe am Klärwerk in Betrieb ist, wird die Heizzentrale Mühlbachäcker für die Grundversorgung des absehbaren Bedarfs in der Südstadt und in Derendingen nicht mehr benötigt. Sie übernimmt dann ihre endgültige und dauerhafte Funktion: In Spitzenlastzeiten stellt sie zusätzliche Wärmekapazitäten bereit und sichert im Falle von Anlagenausfällen als Reserveanlage die Wärmeversorgung. Die Betriebszeiten reduzieren sich somit mittelfristig auf wenige hundert Stunden im Jahr. Eine schnelle und klar festgelegte Reduzierung des Erdgasverbrauchs ist den swt wichtig – und auch an anderen Stellen fester Bestandteil der Strategie. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, fossil betriebene Heizzentralen im Stadtgebiet zu ersetzen, nehmen die Stadtwerke diese Gelegenheit auch wahr – so wie erst kürzlich mit der neuen Pellet-Heizzentrale am Schulzentrum Derendingen.
Die Transformationsprozesse der Wärmeversorgung sind komplex, zeitaufwändig und brauchen die Unterstützung durch die Kommune und ihre Bevölkerung. Deshalb ist es den Stadtwerken Tübingen wichtig, vor dem Hintergrund des Klimaschutzprogramms 2030 nicht nur die Stadtverwaltung mitzunehmen, sondern auch die Bürgerschaft. Über die einzelnen Projekte, die strategische Ausrichtung und den Masterplan für die verschiedenen Handlungsfelder, informieren die Stadtwerke deshalb regelmäßig ihren Aufsichtsrat. Die Öffentlichkeit bekommt über Berichte im Klimaschutzausschuss der Universitätsstadt Transparenz darüber, wie, wo und mit welchem Ziel die Stadtwerke Tübingen in den unterschiedlichen Transformationsprozessen unterwegs sind.

