Der Gasspürer kommt!

Der Gasspürer kommt!

Er ist im Auftrag der Sicherheit unterwegs: Als “Gasspürer” der Stadtwerke Tübingen überprüft Sebastian Dersch das Erdgasnetz in Tübingen und Ammerbuch. Zu Fuß, kreuz und quer durch Stadt und Ortschaften, von den Hauptleitungen bis zu jedem einzelnen Hausanschluss.

Sebastian, was macht ein Gasspürer?

Zusammen mit einem Kollegen begehe ich unser gesamtes Netzgebiet entlang der Erdgasleitungen und suche nach Lecks. Dafür müssen wir an jedes angeschlossene Gebäude heran – etwa 9.000 insgesamt. Unser Erdgasnetz misst 479 Kilometer – und wenn wir damit fertig sind, fangen wir wieder von vorne an. Ich lege im Jahr mehrere Hundert Kilometer zu Fuß zurück.

Wie wird man das?

Als Anlagenmechaniker kenne ich mich mit Rohrleitungen gut aus. Für die Qualifikation zum Gasspürer wird man nach den Regeln des DVGW* geschult, muss 200 Kilometer mit einer anderen Firma mitlaufen, eine Prüfung ablegen und diese regelmäßig erneuern. 

Wann schlägt dein Messgerät an?

Die sogenannte Teppichsonde erkennt Erdgaspartikel ab 10 ppm (parts per million). Zum Vergleich: Den Warngeruch, der dem Gas beigemischt wird, riecht man ab etwa 100 ppm. Explosionsgefahr besteht erst ab etwa 40.000 ppm, also vier Prozent der Luft. Wenn eine kleine Menge Erdgas austritt, ist das meist unbedenklich, denn es verflüchtigt sich. Es ist ungiftig, aber in geschlossenen Räumen kann es gefährlich werden.

Was passiert, wenn du ein Gasleck entdeckst?

Ich mache kleine Bohrungen entlang des Leitungsverlaufs und messe die Gaskonzentration im Boden. So kann ich den Schaden näher eingrenzen. Ich klassifiziere ihn nach Gefährlichkeit und informiere unsere Leitwarte. Die Kollegen veranlassen, dass die Leitung innerhalb einer Woche repariert wird. Bei kritischen Werten
nah an einem Gebäude prüfen wir den Hausanschluss. Unser Gerät erspürt von außen auch Lecks im Haus. Bei der höchsten Schadensklasse muss unverzüglich gehandelt und der Schaden noch am selben Tag behoben werden – dann rückt der Tiefbauer sofort an. 

Was ist die häufigste Ursache für Schäden?

Korrosion bei älteren Stahlleitungen, wenn die Isolierung durch Feuchtigkeit, Frost oder Hitze leidet. Unser Netz ist in Jahrzehnten gewachsen, aber in gutem Zustand. Wir finden maximal 15 kleine Gasaustritte pro Jahr – das ist wenig. Heftiger – aber zum Glück selten – sind Baggerschäden durch Tiefbauarbeiten Dritter. Dafür haben wir ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht.

Seit 2024 gelten neue Regelungen. Welche?

Die neue EU-Methanverordnung soll die TreibhausgasEmissionen stark senken. Erdgas besteht zu über 90 Prozent aus Methan. Netzbetreiber müssen ihr Erdgasnetz innerhalb von zwei Jahren vollständig prüfen – daher drehen wir unsere Runden jetzt noch öfter.

Wo bist du aktuell unterwegs?

In Derendingen bei den Schulen. Danach ist dieser Durchgang abgeschlossen, und ich arbeite eine Weile auf unseren Baustellen im Gas- und Wassernetz mit – und im Bereitschaftsdienst.