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Was machen Feuerwehrtaucher im Uhlandbad? Bernd Gugel erzählt

„Des isch seit zwanzig Joahr mei Platz“, meinte ein älterer Feuerwehrtaucher als ich, jugendlich und unwissend, Anfang der 80er Jahre „seinen Stammplatz“ im Sammelumkleideraum des Uhlandbades belegen wollte. Mittlerweile bin ich der dienstälteste, aktive Tübinger Feuerwehrtaucher und klopfe diesen Spruch zum Scherz.

Es ist rund 50 Jahre her, dass mich meine Mutter zum ersten Mal mit ins Uhlandbad genommen hat. Das „alte Uhlandbad“ mit dem Gewölbe und der muskulösen Steinskulptur am Ende des Beckens, die heute vor dem Hallenbad Nord steht. Im Uhlandbad hab ich als Kind schwimmen gelernt. Schwimmen? Eigentlich eher „über Wasser halten und nicht versaufen“. Einmal musste mich der Bademeister aus dem Tiefen retten, in das ich in einem plötzlichen Anfall von Mut hineingesprungen bin. Den Schrecken werde ich nie vergessen! Später war ich zum Schulschwimmen im Uhlandbad: „Leibesübungen befriedigend“ war zeitlebens meine Schulnote.

Doch dann hat’s mich gepackt!

Als freiwilliger Feuerwehrmann wollte ich 1983 auch Feuerwehrtaucher werden. Dazu braucht man das DLRG-Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Eine absolute Herausforderung für mich, denn ich musste erst mal brauchbar schwimmen lernen, was im Uhlandbad mit viel Mühe und Ehrgeiz gelang.

Als Hobbyläufer wurde ich dann vom „Triathlonfieber“ erfasst. Dazu musste ich schneller und ausdauernder kraulen lernen, den in einem See kann man sich nicht einfach festhalten, wenn’s zu anstrengend wird. Ich übte viel im Uhlandbad, wo man zudem von der Empore aus hervorragend den Schwimmstil der anderen studieren kann. 1986 habe ich dann die 1,3 km lange Strecke im K-Furter Baggersee bei meinem ersten Triathlon gemeistert. Seitdem bin ich süchtig nach Ausdauerwettkämpfen jeglicher Art. Aber zeitlebens habe ich den Respekt vor den Gefahren des Wassers nie verloren. Im Gegenteil. Als Feuerwehrtaucher habe ich in über 30 Jahren mehrmals bedrohliche Erlebnisse durchgestanden.

Was die Feuerwehrtaucher im Uhlandbad üben

Die Tübinger Feuerwehr trainiert seit Jahrzehnten alle zwei Wochen im Uhlandbad. Die Wasserrettungsgruppe (Tauchergruppe) wurde 1970 gegründet. Viele Jahre war ich Ausbildungsleiter dort, denn ich hatte die staatliche Prüfung zum Feuerwehrlehrtaucher an der Landesfeuerwehrschule abgelegt. Zum Übungsprogramm gehören Schwimmen, Rettungsschwimmen ohne und mit Flossen in verschiedenen Stilarten, Tauchen mit speziellen Tauchgeräten und Vollgesichtsmaske und natürlich auch Apnoetauchen, also Freitauchen ohne Gerät.

Das Wasser im Uhlandbad ist klar - die Seen der Region und der Neckar aber trüb und dunkel. Der Feuerwehrtaucher im Einsatz verlässt sich deshalb auf seinen Tastsinn. Gesteuert wird er über die Zugzeichen, die der Signalmann am Ufer oder auf einem Boot mit der Rettungsleine gibt, oder über eine Unterwassersprechanlage. Um in Dunkelheit und Tiefe zurechtzukommen, müssen die Taucher  immer wieder im Schwimmbecken knifflige Situationen üben.

Was tun, wenn Wasser in die Gesichtsmaske eindringt? Wie zieht man das Tauchgerät und Maske unter Wasser an? Wir tauchen zum Beispiel nach dem Gerät am Boden des Beckens, ziehen die Maske über und blasen das Wasser mit der eigenen Lungenluft heraus, dann erst kann die Luft aus den Pressluftflaschen geatmet werden. Oder mehrere Taucher atmen abwechselnd aus einer Vollgesichtsmaske auf dem Grund des Beckens, also:  Luft anhalten, bis man die Atemeinrichtung bekommt und nach dem Ausblasen der Maske wieder atmen kann. Das sind überlebensnotwendige Mechanismen die immer wieder geübt werden müssen, damit man im Notfall routiniert handelt und keine Panik aufkommt.

Mir ist es einmal passiert, dass sich in 20m Tiefe die Atemmaske gelockert hat und mir ganz plötzlich vom Kopf gerutscht ist. Ich konnte nur mit Mühe die panische Atemnot unterdrücken, die Maske wieder aufsetzen, ausblasen und weiteratmen. Das viele Üben hat geholfen und ich habe in den Tauchunfall unbeschadet gemeistert.

Wie spielt man Unterwasser-Rugby?

Beliebt sind bei uns Feuerwehrtauchern auch Spiele wie Unterwasser-Rugby, ein ungemein anstrengendes und atemraubendes Spiel, das wir manchmal zum Abschluss des Trainings spielen. Als Tore dienen die Zwischenräume der untersten Sprossen der Einstiegsleitern im tiefen Teil des Schwimmbeckens. Der Ball ist mit Salzwasser gefüllt, das schwerer als das Beckenwasser ist. Es gelten nur zwei Regeln: Der Ball darf nicht über Wasser gespielt werden und niemand darf ernsthaft zu Schaden kommen. Nach spätestens 10-15 Minuten sind alle am Ende ihrer Kräfte! Unter der Dusche werden dann gegenseitig die blauen Flecken begutachtet und die „Heldentaten“ kommentiert.

Ein jährliches Kultereignis im Uhlandbad ist unsere „Weihnachtsfeier unter Wasser“. Es gibt Getränke sowie Sporttauchgeräte in der Tiefe des Beckens. Man muss sich geschickt anstellen, um 3,50m unter Wasser Tiefe aus den Flaschen zu trinken! Gegessen wird dann aber im Anschluss in einer Tübinger Gaststätte, denn Essen unter Wasser schmeckt definitiv nicht!

Vom „Neckarabschwimmen“ im Winter

Beim „Neckarabschwimmen“ am 6. Januar jedes Jahres  wird vom Campingplatz bis zur Eberhardsbrücke in dicken  Taucheranzügen geschwommen. Früher war das eine kleine Veranstaltung der Feuerwehrtaucher und der DLRG. Zum 150-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen 1997 habe ich es als Leiter der Tauchergruppe erstmals erweitert und Gäste aus den tauchenden Feuerwehren Baden-Württembergs eingeladen. Wo sollten so viele Schwimmerinnen und Schwimmer sich umziehen, aufwärmen und duschen? Natürlich im Uhlandbad, ganz in der Nähe des Neckars! Seitdem ist das Neckarabschwimmen, bei dem inzwischen über 100 Feuerwehrleute und Gäste teilnehmen, ohne das Uhlandbad nicht mehr zu machen.

Und heute? Komme ich auch zum Arbeiten ins Uhlandbad. Nach vielen Jahren im Druck- und Reprogewerbe  habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Im Sommer bin ich im Freibad, im Winter in den Tübinger Hallenbädern eingesetzt. An meinem ersten Uhlandbad-Arbeitstag war ich ziemlich sentimental: Was habe ich hier alles in rund 50 Jahren erlebt!

Die Stärke unseres Uhlandbads ist vor allem die zentrale Lage mitten in der Stadt. Man kann das Schwimmen mit Erledigungen in der Innenstadt verbinden, hinterher ins Café einkehren …  Als Mitglied des Gemeinderates habe ich mich immer für die Zukunft unseres nun 100 Jahre alten Bades eingesetzt und werde das weiter tun. Auch an den Namensgeber möchte ich erinnern: den Dichter und Politiker Ludwig Uhland, den großen Sohn Tübingens, der selbst gern im Neckar schwamm. Ein Hallenbad gab es im 19. Jahrhundert ja noch nicht in Tübingen.