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Architekt Winfried Huthmacher und die großen Sanierungen

Auch er hat lebhafte Erinnerungen an Besuche im Uhlandbad als Kind und Jugendlicher. Später sollte er Tübingens älteste Badeanstalt in die Moderne führen: Winfried Huthmacher. Im Jubiläumsfilm erzählt er von Fußwaschbecken, dem Sprung von der Galerie und vom „Nackerten“. Hier soll es nun aber um die späten 1960er und 70er Jahre gehen.

In dieser Zeit häuften sich die Klagen: Das inzwischen 50-jährige Uhlandbad genügte den Anforderungen nicht mehr. Die Einrichtungen waren veraltet und unmodern, das Dampfbad viel zu beengt, die Lüftung schlecht, das Wasser zu kalt, der Verbrauch zu hoch, die Temperaturen in der Schwimmhalle schwer regelbar, es gab zu wenig Garderoben, zu wenig Duschen usw. Kein Wunder, denn er Besuch der Schwimmhalle hatte sich in 10 Jahren verdreifacht und das Uhlandbad, das einst für rund 20.000 Einwohner gebaut worden war, musste nun für über 50.000 Tübinger und 11.000 Studenten herhalten. Erweiterungen waren seit der Errichtung des AOK-Gebäudes nicht mehr möglich; es galt also, die Bedingungen innerhalb der stehenden Wände auszunutzen. Die Stadtwerke begannen eine große Sanierungswelle, um Wasseraufbereitung und Lüftungsanlagen, Duschen und Umkleiden den gestiegenen Ansprüchen anzupassen.

Durch Sanierungen „den Forderungen der Zeit anpassen“

Über den Umbau der Umkleidekabinen in Wechselkabinen wurde an anderer Stelle bereits berichtet (Folge 16). Auch die technischen Anlagen wurden von Grund auf saniert: 1965 die Heizzentrale, die statt Koks- nun mit Ölfeuerung arbeitete. Hochleistungskessel und Öltanks wurden eingebaut. Denn auch Reutlingen, wo man bisher günstigen Koks bezogen hatte, plante den Ausstieg aus der Gaserzeugung. Das Tagblatt lobte die Vorteile der neue Technik: „Während früher zwei Heizer (...) immer kohlrabenschwarz waren, kann heute der Aufseher im weißen Arbeitsmantel seines Amtes walten.“ Auch die Warmwasserbereitung in den alten Dampfkesseln genügte in Spitzenzeiten für die Dusch- und Wannenbäder nicht mehr und musste modernisiert werden. Im Herbst 1966 besichtigten die Herren vom Werksausschuss den Fortschritt der Arbeiten und konnten sich davon überzeugen, „dass seit Jahren alles getan wurde, um das Bad im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten den Forderungen der Zeit anzupassen“, wie das Tagblatt am 1. Oktober schrieb. Zufrieden stellte man fest, dass die Klagen über zu kaltes Wasser verstummt waren: Das Beckenwasser konnte nun konstant auf 24° gehalten werden, ja man konnte sogar an einen Warmbadetag denken: Ab 1969 gab es ihn, für einen Aufpreis konnte man am Donnerstagnachmittag bei Wassertemperaturen von 28-30°C baden. 1972 kam ein zweiter Warmbadetag dazu.

„Das große Verlustgeschäft der Stadtwerke“

All das ging ins Geld. Schon seit den 30er Jahren arbeitete das Uhlandbad nicht mehr kostendeckend. „Das große Verlustgeschäft der Tübinger Stadtwerke“ (Tagblatt, 18.09.1965) wurde immer größer: 1966 (ein Jahr mit 247.000 Besuchern!) überstiegen die Bäderverluste von zusammen 296.000 DM ‒ auf das Uhlandbad entfielen 198.000 DM ‒ die Gewinne der Energiesparten der Stadtwerke um 32.000 DM! Die Stadt musste zuschießen (heute undenkbar, wo die swt neben den Bädern auch noch den defizitären Stadtverkehr betreiben, trotzdem Gewinne machen und im Schnitt 14 Mio. Euro jedes Jahr zum städtischen Haushalt beitragen!). Immer wieder mussten die Badetarife angehoben werden ‒ wie in diesem wirtschaftlich katastrophalen Jahr 1966, in dem Personalkosten und Entwässerungsgebühren um ein Vielfaches gestiegen waren. Und immer wieder ‒ so zeigen es die Diskussionen in Gemeinderat und Werksausschuss ‒ machte man sich die Entscheidung nicht leicht.

Beim Angebot gab es Abstriche: 1966 gab man das vollkommen unrentable Dampfbad aufgegeben, dessen Besuch ‒ auch wegen modernerer Alternativen in den Kliniken ‒ stark zurückgegangen war und das nur unzureichend belüftet werden konnte. Bald darauf wurden auch die medizinischen Bäder eingestellt. Die Dusch- und Wannenbäder wurden mit steigendem Lebensstandard immer seltener aufgesucht: Nicht einmal halb so viele Tübinger wie noch 10 Jahre zuvor, „nur“ etwa 20.700, stiegen 1967 noch in die städtischen Badewannen. Die Klassen 1 und 2 wurden zusammengelegt und die Öffnungszeiten reduziert. 

Uhlandbad „vorteilhaft verjüngt“

Anfang der Siebzigerjahre gingen die Arbeiten weiter, nun unter der Regie des Architekturbüros Salomon & Huthmacher: „Das war mein erster großer Auftrag als junger Architekt“, erinnert sich Winfried Huthmacher. Zuerst bekam das Bad eine schicke Eingangshalle im Geschmack der Zeit, die das Tagblatt am 17.09.1971 gar zum Schwärmen brachte: Nicht wiederzuerkennen sei das „vorteilhaft verjüngte“ Uhlandbad: „Und wenn man nur diese Halle sieht, könnte man meinen, Tübingen habe sich ein ganz neues Hallenbad zugelegt.“ Wo früher Friseursalons und die Massage untergebracht waren, standen nun Sitzbänke nun eine gläserne Kassenbox mitten in der Halle, die mit einem „farblich abgewogenen Keramikrelief“ geschmückt war: „eine große Überraschung: Kunst auch in der Domäne der Stadtwerke!“ Eine Million DM hätten die Stadtwerke in den letzten 8 Jahren in die Modernisierung gesteckt, rechnete die Zeitung anerkennend vor; 2 Millionen werden es nach Abschluss der Arbeiten sein.

„Wichtiger noch war es, neue Räume für mehr Komfort und bessere Hygiene zu schaffen“, berichtet Huthmacher. So ließen die Stadtwerke 1972 einen Anbau an der Westseite zur AOK hin errichten. Dieser schuf Platz für Umwälz-, Chlor- und Lüftungsanlagen, zusätzliche Duschen, Toiletten und Sammelumkleiden. Nun war man auch den hygienischen Anforderungen beim Besucheransturm an Warmbadetagen gewachsen.

Das Gewölbe wird abgehängt

Ein Dauerproblem aber blieb: der ohrenbetäubende Lärm, der, wie das Tagblatt am 25.02.1971 schrieb, „aus dem hohen Gewölbe herabzustürzen schien“. Vor allem ältere Besucher klagten darüber, dass von „Schwimmgenuss“ nicht die Rede sein könnte. Bei Schallpegelmessungen während des Schwimmunterrichts hatte man Werte von 90 Phon gemessen! „Wir haben dann 1973 die schallhemmende Decke eingezogen“, so Huthmacher. „Allerdings nicht nur, um Hörschäden zu verhindern. Denn auch für Lüftung und Raumklima war das Gewölbe sehr ungünstig. Feuchtigkeit zog nicht ab, die warme Luft stieg nach oben. In den Umkleiden war es immer zu warm, unten beim Becken immer zu kalt. Zusammen mit der Decke wurde überhaupt erst eine leistungsfähige Belüftungsanlage eingebaut.“ Das Gewölbe der Schwimmhalle ist seither verdeckt - die einschneidende Veränderung am Bau.

Wiedereröffnung im Oktober 1974

Am 11. Juni 1974 öffnete mit dem Hallenbad Nord auf Waldhäuser Ost Tübingens zweites Hallenbad. Und nach der sommerlichen Sanierungspause gab auch das Uhlandbad wieder „Anlass zu Freude“: In der Schwimmhalle sorgten größere Fenster auf der Südseite für Helligkeit, die neue Belüftungsanlage und Wärmebänke für mehr Komfort und angenehmes Raumklima. Die 60 Jahre alten Plättchen des Schwimmbeckens waren erneuert und das Wasserniveau über einen halben Meter angehoben worden, so dass die tiefste Stelle nun 3,80 m maß ‒ die Überlaufrinne am Beckenrand machte es möglich. Außen hatte der Bau seinen ziegelroten Anstrich bekommen. Das Tagblatt befand es „dem im Norden ebenbürtig“ (9.10.1974). Weniger begeistert reagierte das Landesdenkmalamt, das schon im Juni seiner Missbilligung der ungenehmigten Umbauten - vor allem des Abhängens der Gewölbedecke - Ausdruck verlieh. Auch die Entfernung der Figur des Badenden aus der Schwimmhalle wurde getadelt: Der athletische Jüngling Richard Knechts tauchte aber bald darauf vor dem Hallenbad Nord wieder auf, wo er bis heute steht.

Was bringen Wechselkabinen? Oder: Wie viele Gäste schwimmen überhaupt?

Wie üblich wurden auch die Umbauten des Uhlandbads von Tübingerinnen und Tübingern in den Leserbriefspalten des Schwäbischen Tagblatts stets kritisch begleitet. Am 30.08.1963 äußerte sich ein Leser kritisch zu den neuen Wechselkabinen: „So schön es ist, wenn sich 105 Leute in einer Stunde im Bad umziehen können, baden können diese 105 auf keinen Fall, denn dazu ist das Becken viel zu klein.“ Stimmt nicht, so der Kommentar des Bademeisters Kelger: „Zuviel Garderoben haben wir nicht, denn ein Teil der Gäste zieht sich aus und möchte einen leeren Schrank vorfinden, der 2. Teil zieht sich gerade an, der 3. Teil duscht, der 4. sitzt auf einer Bank und nur der 5. badet gerade.“