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Von Anfang an dabei: Der Tübinger Schwimmverein (gegr. 1913)

Von Anfang an war das Uhlandbad gut besucht. Die Tübinger Vereine gehören bis heute zu den fleißigsten Nutzern, allen voran der Tübinger Schwimmverein TSV. Wir werfen einen Blick in seine Anfangsjahre.

Der Tübinger Schwimmverein war im Vorjahr der Uhlandbad-Eröffnung, am 6. Juli 1913, gegründet worden und trainierte den Sommer über in der städtischen Freibadeanstalt im Neckar oder weiter flussabwärts: Beim „Stromschwimmen“ schwamm man z.B. bis zum Nadelöhr an der Eberhardsbrücke. Um die Mitglieder den Winter über beisammenzuhalten und die Zeit bis zur ersehnten Hallenbadöffnung zu überbrücken, wurden regelmäßig gesellige Abende organisiert.

„Ein hübsches Bild voll elementaren Reizes“

Bei der Einweihung des Uhlandbads am 25. Juli 1914 war der Schwimmverein, der 120 Mitglieder zählte, selbstverständlich vertreten. Nach der Eröffnungsansprache durch Oberbürgermeister Haußer kam der Vorstands des Vereins, Herr Rechtsanwalt Seeger, zu Wort. Er pries den „Fest- und Freudentag für unsere schöne Musenstadt“, die nun endlich eine „ideale Stätte zur Pflege des deutschesten aller Sporte, des Schwimmens“ erhalten habe. Dass der Erste Weltkrieg sich ankündigte, wird aus seiner nationalistisch gefärbten Ansprache mit ihrer Besinnung auf „deutsche“ Stärken und Tugenden besonders deutlich, die die Tübinger Chronik auf ihrer Sonderseite abdruckte:

„Deutsch, kerndeutsch nenne ich die edle Schwimmkunst (… ), erzählt doch schon Meister Tacitus in seinem weltberühmten Buche „de Germania“ von den alten Deutschen, dass sie zur Sommer- und Winterzeit schwimmen. Von heute ab können wir es also unseren Urvätern gleichtun, in weit, wenn auch in der Halle, so doch das ganze Jahr über schwimmen. (…) Das deutsche Volk, vor allem die Jugend, hat glücklicherweise den Sport schon längst als unversiegbare, reichsprudelnde Quelle gesunder Manneskraft und reiner Lebensfreude erkannt. Das Schwimmen steht aus den verschiedensten Gründen obenan: es weitet die Lunge und stärkt das Herz, kräftigt und stählt die Glieder, erzieht zur Körper- und Selbstbeherrschung, härtet ab und schafft harmonische Körper und was dem deutschen Schwimmen seinen Vorsprung vor allen andern Körperübungen für immer sichert, ist eine praktische Anwendbarkeit im Dienst der Nächstenliebe und Selbsterhaltung, denn nur der beherzte, mutige, geistesgegenwärtige Schwimmer ist in der Lage, jederzeit sich selbst und den Volksgenossen vor dem grausigen Tod des Ertrinkens zu retten.“

Mit einem „frisch-fröhlichen Gut Nass!“ kündigte er dann die Schwimmvorführung des Vereins an, der einiges zu bieten hatte: Handüberschlag-Schwimmen, Brust- und Rückenschwimmen, Retten, Kleiderschwimmen, Strecken- und Tellertauchen, Damen- und Knabenschwimmen sowie Stafette; „zum Schluß stürzten sich gleichzeitig die etwa 20 Schwimmer und Schwimmerinnen in die klare blaugrüne Flut und tummelten sich in allen möglichen Schwimmarten darin, ein hübsches, lebendiges Bild voll elementaren Reizes“, so die Chronik.

Lernt schwimmen!

Die Freude war nur von kurzer Dauer. Der Erste Weltkrieg erschwerte das Vereinsleben durch zahlreiche Einberufungen und legte es schließlich lahm. Erst im November 1920 wurde der TSV neu aus der Taufe gehoben.

Die Begeisterung für den Schwimmsport wuchs, trotzdem nahmen vor allem die Tübingerinnen das neue Angebot der Schwimmhalle nur zögerlich wahr: Zu den „Damenzeiten“  - noch badeten Männlein und Weiblein ja streng getrennt - sei es „geradezu trostlos“ im Uhlandbad. Das lesen wir in einem Schreiben des  Schwimmvereins vom Februar 1921, der für seine inzwischen 250 Mitglieder einen zweiten Trainingsabend beantragt, um Damen und Herren getrennte Abende anbieten. Die übten nämlich ebenfalls nicht gemeinsam, sondern nacheinander und die Tatsache, dass sie „einander auch beim Umkleiden nicht zuschauen“ sollten, begrenzte die Trainingszeit zusätzlich.

Das Stadtschultheißenamt gab grünes Licht und gestattete einen 2. Abend „zur vereinsmäßigen Pflege des Schwimmsports“. Außerdem erteilte der Gemeinderat die Erlaubnis, ein „Schau- und Werbeschwimmen“ abzuhalten, um den Schwimmsport populärer zu machen. Solche Veranstaltungen fanden in den nächsten Jahren immer wieder statt.

Wie eine Schwimmstunde damals aussah, verrät ein Blick in den Übungsplan von 1922: Die „weibliche Jugend“ übte Rückencrawl- und Brustschwimmen an der Angel sowie Figurenschwimmen. Die „männliche Jugend“ trainierte Crawlschwimmen mit Armbewegungen, Tellertauchen, Kopfweitsprung und Rettungsschwimmen.

Neben dem Training im Uhlandbad nutzten die Schwimmer weiterhin den Neckar, der z.B. unterhalb des Stauwehrs Trainingsmöglichkeit und Umkleiden bot. Alljährlich fand außerdem ein Schwimmen „Quer durch Tübingen“ im Neckar statt. Neben der Schwimmausbildung bereicherten Familienfeste, Sing- und Tanzstunden sowie Ausflüge das Vereinsleben der 20er Jahre.

„Denn das Wasser tut nicht weh!“

„Mögen tausend Stubenhocker / hinterm Ofen wärmen sich,
aus der Pfeif‘ gestopft ganz locker / Knaster dampfen fürchterlich.
Wir, wir schwimmen froh und munter / Mit Gut Nass durch Strom und See,
fröhlich tauchen wir hinunter; / denn das Wasser tut nicht weh.

Darum mut’ge  Schwimmersleute / in dem deutschen Vaterland,
seid nur immer froh und heiter, / steht zusammen Hand in Hand!
Mit „Gut Nass“ durch Sturm und Regen / nur dem Schwimmsport wir uns weih’n
mit „Gut Nass“ und Gottes Segen, / fest vereint im Schwimmverein“

(aus dem Festlied des Schwimmvereins von 1922, Melodie: Strömt herbei ihr Völkerscharen)

Zeitsprung

Wie schon fürs Uhlandbad engagierte sich der Schwimmverein später aktiv für den Bau des Tübinger Freibads, das 1951 seine Pforten öffnete, u.a. mit Filmvorführungen und humoristischen Schwimmvorführungen im Museum, deren Erlös dem Freibad gestiftet wurde. Auf ein größeres Hallenbad mussten die Tübinger noch bis 1974 warten.

Seit den 60er Jahren sind die Sprungbretter im Uhlandbad abgebaut. Eine Wettkampfstätte ist das historische Bad heute nicht mehr – zumal die Maße des Beckens nicht ganz normgerecht sind. Trotzdem ist es auch heute unverzichtbar für den Verein, der dort an 3 Tagen in der Woche seine Kinder und Nachwuchstalente trainiert.

Quellen

  • Tübinger Chronik vom 25. und 26. Juli 1914
  • Broschüre 50 Jahre Tübinger Schwimmverein, 1964
  • 100 Jahre Tübinger Schwimmverein, Festrede von Ingrid Braun zum Jubiläum 2013