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Neues Konzept für Wasserpumpen

Bild: VKU

Die Innovation aus Tübingen findet in Wasserspeichern statt. Dort werden die Pumpanlagen neuerdings anhand des Strompreises gesteuert. „Wir sparen damit bis zu 30 Prozent der Energiekosten bei Wasserpumpen“, Peter Hitzfelder kennt die Zahlen. Er ist Abteilungsleiter Betriebsmanagement der swt, die in Tübingen 15 Wasserbehälter betreiben mit einem Speichervolumen von insgesamt über 31 Millionen Litern. Sein Team hat das Verfahren erdacht, entwickelt und wendet es seit 2014 erfolgreich an. Zuerst im eigenen Haus, seit wenigen Wochen auch im benachbarten Wassernetz der ASG, die das Konzept als Pilotkunde umsetzt.

Die Idee war ebenso einfach wie komplex. Warum nicht einen regelmäßig hungrigen Stromverbraucher, wie es Wasserpumpen allgemein sind, flexibler arbeiten lassen? Denn es kommt oft nicht auf Minuten oder Stunden an bei der Frage, wann eine Wasserpumpe läuft – Hauptsache, die Grenzwerte für Füllstände werden zuverlässig eingehalten und allerhand andere Sicherheits-Regeln beachtet. „Bislang springen die meisten Wasserpumpen vollautomatisch an, sobald der Pegel unter seinen Grenzwert fällt“, erklärt Hitzfelder. Mit dem neuen Verfahren können Pumpen klüger arbeiten – beispielsweise indem sie schon früher einsetzen oder den Behälter in mehreren Teil-Etappen füllen.

Damit dieser kluge Einsatz auch finanzielle Vorteile bringt, muss man die Arbeitszeiten der Pumpe an die aktuellen Strompreise koppeln. Dafür bekommen die Pumpen einen Fahrplan, in den die Daten der Strompreis-Börsen einfließen (siehe INFO), ebenso auch die gegenseitigen Abhängigkeiten der Behälter und Pumpen. „So können die Betreiber von Wasserpumpen die Vorteile von starken Strompreis-Schwankungen mitnehmen“, sagt Ortwin Wiebecke, swt-Geschäftsführer. „Das hilft nicht nur dem Wasserwerk, seine Stromkosten zu senken, sondern unterstützt auch die Energiewende.“ Indem die Arbeit der Pumpen gezielt auf bestimmte Zeiten verlegt wird, tut man dem Stromnetz einen Gefallen: Wer Strom verbraucht in Momenten, wenn gerade viel Strom im Netz ist, gleicht aus und trägt zur dringend nötigen Stabilisierung des Stromnetzes bei.

Ein solches Verfahren aus der Hand von Stadtwerken gab es bislang nirgendwo in ganz Deutschland – das honorierte der VKU nun auch mit seinem Innovationspreis. Die Wasserversorgung ist auch bei neuen Arbeitszeiten der Pumpe jederzeit gewährleistet. „Das System ist mehrfach abgesichert“, berichtet Hitzfelder.

Bei der ASG verspricht man sich viel vom neuen Denkansatz: „Bei uns läuft das System ja noch kein ganzes Jahr, und erst am Ende des Jahres können wir seriös auswerten, wie viel wir tatsächlich gespart haben“, sagt die ASG-Geschäftsführerin Astrid Stepanek. „Aber Hochrechnungen haben wir schon: In den ersten Monaten waren es bereits zwischen  zehn und 15 Prozent.“ Die Einführung habe gut geklappt, berichtet sie: „Die Kollegen von der swt haben uns ein dreiviertel Jahr lang begleitet bis zum Projektstart und unterstützen uns auch weiter bei jeder Frage. Unsere Wasserversorgung ist nun besser aufgestellt denn je.“ Die ASG verfügt über etwa 80 Millionen Liter Speichervolumen.

Aus der Tübinger Leitwarte und von Computern in Peter Hitzfelders Abteilung könnten künftig auch andere Wasserversorger ihre Pumpen steuern lassen. Oder sie bestellen bei den Tübingern die Fahrpläne und steuern selbst: Beide Formen der Dienstleistung wollen die swt ab sofort bei den Branchenkollegen im Land anbieten.

Die Tübinger Wasserkunden sehen die Strom-Ersparnisse eher indirekt auf ihrer Rechnung. Denn zum einen machen die Pump-Kosten nur einen sehr kleinen Anteil des Wasserpreises aus, etwa zwei Prozent. Zudem werden diese Kostensenkungen andernorts aufgezehrt: „Mit den Ersparnissen können wir gestiegene Kosten für den Unterhalt der Wassernetze zum Teil ausgleichen“, sagt Geschäftsführer Wiebecke. „Wir verhindern so, dass das Wasser für die Kunden an dieser Stelle teurer wird.“ Mittelfristig verspricht er sich noch größere Wirkung von der Innovation: dann, wenn das Verfahren in größerem Rahmen von vielen Stadtwerken eingesetzt wird.

INFO VKU

Der VKU, also der Verband kommunaler Unternehmen, ist eine bedeutende Größe in der Branche. Er zählte Ende 2014 genau 1.430 Mitgliedsunternehmen aus Energieversorgung, Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. Sie haben gemeinsam 245.000 Beschäftigte. 46 Prozent der deutschen Verbraucher bekommen von einem der VKU-Unternehmen ihren Strom, 59 Prozent ihr Erdgas, 80 Prozent beziehen Trinkwasser.

INFO STROMBÖRSE

Auch wenn das in den Verträgen von Privatkunden nicht zu spüren ist: Im Energiemarkt sind Strompreise heute nicht langfristig festgelegt, sondern sie schwanken über den Tag hinweg oft stark. Seit der Energiewende gibt es Strombörsen, beispielsweise die EEX in Leipzig oder die Epex Spot in Paris, die im Viertelstundentakt definieren, was Strom gerade wert ist. Grund dafür ist, dass Sonnen- und Windenergie sehr unregelmäßig ins Netz eingespeist werden. Man muss deren Schwankungen mit sehr flexiblen Kraftwerken ausgleichen, was teuer ist, Windkraftanlagen bei Überangebot abschalten oder auch Strom über Landesgrenzen ver- und zukaufen. Früher war das kein Thema, weil Strom mit großen Kern- und Kohlekraftwerken viel gleichmäßiger produziert wurde. Heute ist Strom dann am teuersten, wenn der Verbrauch hoch und zugleich die Produktion gering ist und viel kostet – beispielsweise an einem Wintermorgen, wenn Schnee auf den Photovoltaik-Anlagen liegt. Und am günstigsten, wenn die Menschen wenig Strom verbrauchen, obwohl die regenerativen Quellen gerade großzügig liefern – an einem sonnigen, windigen Sonntagnachmittag.

Bildunterschrift

Freuen sich über die Preisverleihung (v.l.n.r.): Ivo Gönner, VKU-Präsident; Astrid Stepanek, Geschäftsführerin Ammertal-Schönbuchgruppe; Peter Hitzfelder, Abteilungsleiter Betriebsmanagement der swt;  Jochen Rausch, Energiemanager der ASG; Hans-Peter Schnaidt, Mitarbeiter der ASG; Wilfried Kannenberg, Technischer Geschäftsführer der swt; Katherina Reiche, VKU-Hauptgeschäftsführerin (Bildnachweis: VKU)

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