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Tübingen: Vom ersten Gaswerk 1862 bis zur Energiewende 2012

150 Jahre Stadtwerke-Geschichte lebendig erzählt in der neuen Wanderausstellung und Festschrift. Der swt-Aufsichtsratsvorsitzende und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Mitte) vor dem Modell eines Gaswerks von 1910, einer Leihgabe des Museums der Universität Tübingen (MUT), zusammen mit den swt-Geschäftsführern (v.r.n.l.) Dr. Achim Kötzle, Wilfried Kannenberg und Ortwin Wiebecke sowie Carmen Palm und Dr. Rainer Lächele von „D.I.E. Firmenhistoriker". (Foto: ARTPART Mediendesign, Peter Köhler)

„Wir wirken mit“ unter diesem Motto steht das Jubiläumsjahr der Stadtwerke Tübingen. Nun wurden die eigens hierfür erstellte Wanderausstellung und Festschrift in Anwesenheit des swt-Aufsichtsratsvorsitzenden und Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer, dem Sprecher der swt-Geschäftsführung, Ortwin Wiebecke, und Dr. Rainer Lächele, Geschäftsführer von „D.I.E. Firmenhistoriker“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei die Kooperationspartner des Landratsamtes und der Volksbank Tübingen. An beiden Orten ist die Wanderausstellung auf ihren weiteren Stationen zu sehen: vom 02. August bis zum 10. September im Landratsamt, in der Glashalle (Wilhelm-Keil-Straße 50) und vom 17. September bis zum 18. Oktober 2012 in der Volksbank, im Foyer der Hauptfiliale (Herrenberger Straße 1-5). Interessierte können die Wanderausstellung schon am Samstag, 14. Juli 2012, am „Tag der offenen Tür“ bei den Stadtwerken Tübingen (Eisenhutstraße 6) vorab besuchen und dort auf ihre ganz persönliche Erkundungstour durch 150 Jahre Stadtwerke-Geschichte gehen. Im Mittelpunkt – wie bei der „Mitwirker-Kampagne“ zum Jubiläumsjahr: die Menschen aus der Region.

Tüftler, Querdenker, Visionäre, Schaffer, Stadtwerker und Kunden begleiten mit ihren persönlichen Lebensgeschichten die Besucher auf ihrem Weg durch die Stadtwerke-Geschichte. Der Rundgang durch die Ausstellung – vorbei an den verschiedenen Text- und Bildtafeln, wird dabei zugleich zu einem Parcours durch 150 Jahre Stadt- und Alltagsgeschichte.

An insgesamt acht Stationen, die sich jeweils mit historisch markanten Daten wie beispielsweise dem Jahr 1862 und damit dem Bau des ersten Tübinger Gaswerks verbinden, werden in chronologischer Reihenfolge die technischen Umwälzungen vor dem Hintergrund sich beständig verändernder und steigender Bedürfnisse und Anforderungen an die Versorgung mit Gas, Strom, Wasser und Wärme gezeigt. Auch die Geschichte der später hinzugekommenen Sparten: Bäder, Parkhäuser, Stadtverkehr und Telekommunikation werden in Verbindung mit lokalen Beispielen dargestellt.

Denn es sind die Menschen, die das eigentlich Faszinierende an der Geschichte der Stadtwerke ausmachen. Persönlichkeiten, die mit Enthusiasmus, Pioniergeist, Mut und Tüftlerfleiß die technische und soziale Entwicklung geprägt und vorangetrieben haben. In der Festschrift wird die Unternehmensgeschichte chronologisch anhand von fünfzehn Personenportraits geschildert, die am Erfolg der Stadtwerke auf unterschiedlichste Weise mitgewirkt haben und mitwirken. Aktive und einsatzbereite Bürgerinnen und Bürger, Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft, die allesamt mit ihren Ideen und Impulsen einen Beitrag zur Innovationskraft der Universitätsstadt Tübingen geleistet haben.

„Die Tübinger Bürger haben schon Mitte des 19. Jahrhunderts über die Nutzung der Wasserkraft am Neckar diskutiert. Der Bau des ersten Wasserkraftwerks an der Brückenstraße 1911 macht deutlich: Die Tübinger und ihre Stadtwerke waren der Zeit immer schon einen Schritt voraus. Die Frage, woher unser Strom kommt und wie er produziert wird, ist heute aktueller denn je“, so der swt-Aufsichtsratsvorsitzende und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

„Heute wie damals gilt: Die Menschen sind der Motor. Tag für Tag sorgen unsere mittlerweile 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Eisenhutstraße aus dafür, dass sich die swt-Kunden auf eine gute und sichere Infrastruktur und eine zuverlässige Versorgung verlassen können. Das ist ein guter Grund, um am Samstag beim ’Tag der offenen Tür’ gemeinsam zu feiern. Dazu laden wir sehr herzlich ein“, so der Sprecher der swt-Geschäftsführung Ortwin Wiebecke.

„Menschen mit ihren persönlichen Geschichten in den Mittelpunkt unserer Recherchen und Gestaltung zu stellen, war für die Konzeption der Wanderausstellung und Festschrift nur ein logischer Schritt. Denn Menschen interessieren sich für Menschen. Geschichte abwechslungsreich und pointiert zu vermitteln, hatten meine Kollegin Carmen Palm und ich daher als Aufgabe und Ziel“, so Dr. Rainer Lächele, Geschäftsführer D.I.E. Firmenhistoriker GmbH. Zusammen mit einem Team der kooperierenden Werbe- und Internetagentur „Com-a-tec“ hat er die Konzeption und das Design entwickelt und ausgeführt. „Als Historiker haben wir uns besonders über die vielen unvermuteten Details, Pläne und Aufzeichnungen gefreut, die wir in den Archiven der Stadt und der Stadtwerke gefunden haben“, erzählt Lächele. Sie sind als Abbildungen und Exponate nun Teil der Jubiläumspräsentation.

Die Entwicklung der verschiedenen Sparten: Strom-, Gas-, Wasser-, Wärmeversorgung bis hin zur Telekommunikation, den Bädern, den Parkhäusern und dem Stadtverkehr wird – diesem Konzept folgend – ebenfalls anhand persönlicher Geschichten erzählt, wie der des Tüftlers Gottlob Himmel. Intensiv hatte er an der Verbesserung der Gasbeleuchtung weitergearbeitet und gründete 1898 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Derendingen seine eigene „Fabrik für Beleuchtungsanlagen“ (Festschrift, S. 23ff). Oder am Beispiel der Geschichte des Heizungsmonteurs Erwin Kimmerle von der Tübinger Installationsfirma Dinkel oder im Kapitel über Anna-Evita Rösch, Textilunternehmerin und Gattin des Geschäftsführers Arnd-Gerrit Rösch von der gleichnamigen Tübinger Mode-Firma Rösch. Sie stellt die Bademoden der kommenden Saison vor, gibt Einblick in ein Stück eigener Firmengeschichte, die zugleich verbunden ist mit der Geschichte der Tübinger Bäder (Festschrift, S. 73ff).

Wie zukunftsweisend für die Tübinger Energieversorgung insbesondere die Wechselwirkung zwischen Universität, Stadt und Stadtwerken war, zeigt sich beispielhaft am Bau des ersten Tübinger Gaswerks, 1862. Es war der Geologieprofessor und spätere Uni-Rektor Friedrich August Quendstedt, der Mitte des 19. Jahrhunderts zur besseren Beleuchtung der Institute und der Innenstadt den Bau eines eigenen Gaswerks im Tübinger Rathaus anregte. Im März 1862 wurde der aus Nürnberg nach Tübingen berufene Ingenieur Emil Spreng mit der Bauleitung betraut. Bereits im Oktober desselben Jahres wurde das Gaswerk eingeweiht. Die Tübinger Chronik berichtete am Tag nach der Einweihung, dem 25. Oktober 1862 vom „herrlichsten Glanze“, den die neue Gasbeleuchtung in der Innenstadt nun bot. Die Bürgerschaft feierte dieses für die Stadt- und Stadtwerke-Geschichte herausragende Ereignis mit einem großen Festumzug, der am Gaswerk an der Reutlinger Straße begann und sich bis zum Marktplatz zog. Dort erstrahlte als Höhepunkt ein mit 3.000 Flämmchen bestückter Reichsadler.

Durch die Wanderausstellung weisen historische Gaslaternen den Besuchern den Weg und begleiten sie auf ihrer Zeitreise zu den Menschen, die das Leben in Tübingen mit ihrem Engagement und Weitblick mitgestaltet haben. Der von Emil Spreng handkolorierte Plan des ersten Tübinger Gaswerks ist in der Wanderausstellung und Festschrift ebenso zu sehen, wie das Modell eines Gaswerks (um 1910), eine Leihgabe aus dem Archiv des Museums der Universität (M.U.T.).

Die Verbindung von Universität und Stadt als Innovationsmotor zeigt sich beispielhaft auch am Bau des ersten Tübinger Elektrizitätswerks, errichtet an der Hinteren Grabenstraße, Ecke Nonnengasse. Die Universität betrieb schon seit 1899 rund um die Medizinische Klinik, die Frauenklinik und die Psychiatrische Klinik eigene kleine Kraftwerke. Deren Kapazität reichte jedoch bereits nach wenigen Monaten nicht mehr aus. Was folgte, war ein reger Briefwechsel zwischen Rektorat und Rathaus. Die Zusage des Rektorats zur verbindlichen Abnahme einer jährlichen Strommindestmenge schuf die Basis für den Bau eines eigenen Elektrizitätswerks. Am 1. März 1902 wurde der Bau vom Rat der Stadt unter Vorsitz des damaligen Bürgermeister Hermann Haußer beschlossen. Tübingen war damit eine der vier ersten württembergischen Städte, die über ein eigenes Elektrizitätswerk verfügten.

Der reiche Fundus an historischen Gerätschaften der Firmenhistoriker, wie beispielsweise ein mit Gas betriebenes Bügeleisen oder ein Elektro-Zweiplattenherd aus den 1940er Jahren illustrieren die Entwicklung der Energieversorgung und den damit einhergehenden technischen Fortschritt anschaulich, der alle Lebensbereiche im privaten und öffentlichen Leben umfasst.

Leihgaben aus dem Stadtmuseum Tübingen erweitern die Liste der Exponate zur lokalen Zeitgeschichte wie z.B. eine Reihe historischer Bierkrüge. Sie veranschaulichen die Geschichte des ebenso tüchtigen, findigen, wie querköpfigen Bierbrauers Johann Jakob Bez aus der Bursagasse, der ab Mitte der 1860er Jahre sein Brauhaus in idyllischer Lage und direkter Nähe zum Hölderlintürmchen betrieb. Um dem chronischen Wassermangel Abhilfe zu schaffen, der das Geschäft der Bierbrauer damals erschwerte und weil ihm der Tübinger Rat nicht kooperativ genug erschien, führte er in seinem Keller in der Gartenstraße eigenständige Sprengungen durch. Mit einem Bleirohr wollte er von dort aus die nahe gelegene Quelle des Lützelbrunnens anzapfen. Ein Versuch, der scheiterte und gleichzeitig eindrücklich zeigt, wie weit der Weg war, zu einer zuverlässigen und sicheren Versorgung mit sauberem Trinkwasser – ein Komfort und Standard an Lebensqualität, der in der heutigen Zeit oft allzu selbstverständlich erscheint.

Doch nicht nur Forschritt, Innovationen und Lichtblicke werden in der Ausstellung beleuchtet. Auch die Schattenseiten der Geschichte werden gezeigt. Bewusst offen und kritisch wird in der Festschrift die Rolle der „Städtischen Betriebswerke“ im Nationalsozialismus dargestellt. Denn aus den Erfahrungen der Geschichte zu lernen, heißt für die Zukunft lernen.

Führungen – für Schüler und Erwachsene

Für Gruppen ab 10 Personen und Schulklassen bieten die Stadtwerke für die Zeit vom 16. bis zum 30. Juli (Ausstellungsort: Stadtwerke) und vom 3. August bis zum 10. September (Landratsamt) Führungen durch die Ausstellung an. Besucher, die während der Sommerferien an einer Führung durch die Ausstellung im Landratsamt teilnehmen, erhalten jeweils eine Freikarte für das Tübinger Freibad, das sich in der Nähe zum Ausstellungsort befindet.
Ansprechpartnerin:
Dr. Birgit Krämer, Tel. 07071 157 476

TIPP: Am Freitag, 20. Juli, um 17 Uhr, bieten die Stadtwerke eine öffentliche Führung für alle Interessierten durch die Ausstellung an. Treffpunkt ist am Kundenservice der Stadtwerke Tübingen, Eisenhutstraße 6, 72072 Tübingen (Bus-Linien: 4, 7, und 13). Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Festschrift:

„Wir wirken mit. Seit 150 Jahren: Stadtwerke Tübingen“, 120 Seiten, mit zahlreichen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen ist ab 14. Juli 2012 bei den Stadtwerken am Kundenservice für 5 Euro erhältlich.

Informationen zur Wanderausstellung und Festschrift und zum „Jubiläumsfest“ am Samstag, 14. Juli,  ab 11 Uhr bei den Stadtwerken unter 

www.swtue.de/150jahre  -  www.facebook.com/mitwirker

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