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Kooperation für mehr Windkraft in Baden-Württemberg

Foto: Fotolia

Entlang der Autobahn A7, auf der Höhe Ellenberg, könnten sich nach den Plänen der Projektentwickler schon Ende 2016 bis zu zehn moderne Windkraftanlagen drehen. Die Leistung des auf den Gemarkungen Ellenberg, und Jagstzell liegenden Windparks soll ca. 25 Megawatt betragen. Dies würde eine Erzeugung von etwa 56 Mio. kWh Strom pro Jahr ermöglichen. Damit könnten jährlich rund 14.000 Vier-Personen-Haushalte umweltfreundlich mit Strom aus Windenergie versorgt werden. Für die Errichtung der Windenergieanlagen sind von den Projektentwicklern Investitionen von insgesamt ca. 45 Millionen veranschlagt. Diese sollen anteilig in einer 50:50-Partnerschaft von den Stadtwerken Tübingen und W-I-N-D getragen werden.

„Autobahnen zu Windparks war ein Ziel, das mein langjähriger Freund Hermann Scheer visionär ausgegeben hat. Ich freue mich sehr, dass unsere Stadtwerke nun an einem Projekt mitwirken, dass daraus Wirklichkeit werden lässt. Ein Windpark dieser Größe ist in Baden-Württemberg wegen der langjährigen Verhinderungspolitik noch eine Seltenheit. Gut, dass wir bei der Energiewende jetzt kräftig vorankommen, so der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

„Ein wichtiger Aspekt unseres Engagements an diesem Standort ist für uns: die Wertschöpfung von der Projektentwicklung bis zum Betrieb der Windkraftanlagen in Baden-Württemberg zu halten“, erklärt Ortwin Wiebecke, der Sprecher der swt-Geschäftsführung. Er sieht in dem Projekt „einen wichtigen Baustein für die Energiewende“ und freut sich über „die gelungene  Kooperation zwischen den Stadtwerken Tübingen als kommunalem Unternehmen und der W-I-N-D als regional verankertem Projektentwickler“.

Alexander Wiethüchter, Geschäftsführer der W-I-N-D Energien GmbH und wohnhaft  mit seiner Familie in Tübingen, verbindet gerne sein Hobby mit seinem Beruf. Mit seinem Segelflugzeug ist er schon oft über die Ellenberger Höhen geflogen und hat sich von oben aus Gedanken darüber gemacht, wo man am besten Windkraftanlagen errichten könnte. „Die Aufstellung der Windkraftanlagen sollte so sein, dass sie nicht nur die unmittelbaren Vorschriften des umfangreichen Genehmigungsverfahrens erfüllen, sondern den natürlichen Anforderungen von Mensch, Flora und Fauna gerecht werden. Genau diese Kriterien sind hier, entlang der Autobahn aus unserer Sicht optimal erfüllt“, so Wiethüchter.

Die beiden Unternehmen hatten sich im Frühjahr 2013 beim Landesforst BW gemeinsam um die Flächen zur Windenergienutzung entlang der Autobahn A7 bei Ellenberg beworben. Nachdem ihnen der Zuschlag erteilt worden war, haben sie mit der Projektentwicklung begonnen. Zunächst wurde die Windgeschwindigkeit gemessen. Mittels eines Lidar-Windmessgeräts, einem laserbasierten Mess-verfahren, das vom Boden aus die Windgeschwindigkeiten in unterschiedlichen Höhen misst, wurden ein Jahr lang Daten gesammelt. Parallel dazu wurde mit der artenschutzrechtlichen Untersuchung begonnen. In diesem Rahmen wurden – neben Brutvögeln, Zugvögeln und Fledermäusen – auch Kriechtiere sowie Biotope im Planungsgebiet beobachtet und erfasst. Mit den Ergebnissen und weiteren Gutachten zum Schall und zum Schattenwurf der Rotoren wollen die Kooperationspartner im Frühsommer dieses Jahres den Antrag auf Genehmigung der Windenergieanlagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz stellen.

„Der Standort ist ideal für die Windkraftnutzung. Gleichzeitig bietet die geplante Aufstellung des Windparks entlang der A7 die besonders komfortable Situation, dass der Mindestabstand zum nächsten Wohnort mehr als gewahrt bleibt. Schwierigkeiten, wie sie an anderen Standorten mit Blick auf Sicht- und Immissionsschutz zu meistern sind, dürften hier bei den Planungen kaum auftreten“, so Robert Bajic, Projektleiter Erneuerbare Energien bei den swt. Er wünscht sich: „Dass der Standort entlang der Autobahn auch eine Art Schaufenster für die Windenergie in Baden-Württemberg werden kann.“ Vordenker für eine Projektinitiative entlang der A7 war Hermann Scheer. Der 1944, unweit des geplanten Windpark-Standorts, in Wehrheim geborene und 2010 in Berlin verstorbene SPD-Politiker und Träger des Alternativen Nobelpreises, war einer der frühesten und führenden Verfechter des Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf nationaler und internationaler Ebene.  

Die A7 ist mit ihren 962 Kilometern die längste Autobahn in Deutschland und zugleich die längste durchgehende nationale Autobahn in Europa. Als Nord-Süd-Achse führt sie von der dänischen Grenze bei Ellund durch Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Hessen, wechselt zwischen Bayern und Baden-Württemberg und endet bei Füssen an der österreichischen Grenze.

Scheer hatte mit seiner Projektinitiative „Energieallee A7“ die Vision, Windkraftanlagen, Solar- und Biomassekraftwerke entlang der A7 zu bauen. Laut dieser Vision sollten an der Autobahnstrecke von Norden nach Süden an allen möglichen Standorten Windkraftanlagen mit jeweils 5 MW entstehen. 1.251 hatte ein Gutachten als mögliche Mindestanzahl für solche Standorte identifiziert. Damit würde ein solcher Windpark über eine Gesamtleistung von 6.255 MW verfügen und könnte 13.500 GWh Strom produzieren. Das entspricht etwa 2,2 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. Für den Klimaschutz würden jährlich 11,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Scheers Vision sah vor, mit einem für diese Größe benötigten Investitionsvolumen von 7,5 Milliarden Euro, den weltweit größten Windpark zu schaffen. Die A7 sah Scheer als Mustermodell auch für andere Autobahnen in Deutschland und Europa. Der Vorteil: Der Bau von Windkraftanlagen würde, durch die bereits vorhandene Straßenführung mitten durch die Landschaft, optisch nur eine geringe Mehrbelastung für die Umgebung bedeuten. Gleichzeitig wäre die Erschließung so vieler möglicher Standorte ein Meilenstein für den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Informationen: www.swtue.de/erneuerbare-energien • http://www.energieallee-a7.de/  • www.w-i-n-d-energien.de

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