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Jubiläumsausstellung und Film zum Auftakt „100 Jahre Uhlandbad“

„Drei Bäder in einer Stadt mit rund 90.000 Einwohnern zu haben, ist ein Stück Lebensqualität und angesichts einer Geschichte von 100 Jahren dazu mit bewährter Tradition. Ein Garant dafür, dass wir in Tübingen mit dem Uhlandbad, dem Hallenbad Nord und dem Freibad eine solche Auswahl und Vielfalt an Badeorten haben, sind unsere Stadtwerke, die mit ihrem Wirken die Finanzierung dieser defizitären Sparte tragen. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man in andere Städte schaut, in denen Bäder längst geschlossen sind. Ich gratuliere zu 100 lebendigen und bewegten Jahren Bäderbetrieb im Uhlandbad und wünsche mir für unsere Stadt, dass noch viele Generationen von Tübingerinnen und Tübingern hier Schwimmen können“, so Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.

Am 25. Juli 1914, eine Woche vor dem Ausbruch des 1.Weltkrieges, ging das Uhlandbad offiziell in Betrieb. An zentraler Stelle, unweit der Neckarbrücke und mit direkter Anbindung an die 1,6 km lange Fernwärmeleitung der städtischen Gaswerke,  dem Vorläufer der heutigen Stadtwerke Tübingen (swt). Die historischen Stationen haben wir in einer eigenen Jubiläumsausstellung aufbereitet. Zeitzeugen erinnern sich in einem Film "Geschichten aus dem Tübinger Uhlandbad" an ihre persönlichen Erlebnisse im Uhlandbad.

„Für uns war es ein Erlebnis, so viele Geschichten aus 100 Jahren Bäderbetrieb zu finden, die wir bislang nicht gekannt haben. Das Spektrum der erzählten Erlebnisse zeigt, dass Menschen aller Altersstufen in Tübingen mit dem Uhlandbad verbunden sind. Ob Schulen und Vereine, Kinder mit ihren Eltern, Erwachsene oder Sportlerinnen und Sportler – hier kamen und kommen sie miteinander in Kontakt. Damit hat dieses Bad auch eine wichtige soziale Aufgabe in der Stadt. Uns hierfür als kommunales Unternehmen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch finanziell zu engagieren, ist eine unserer Kernaufgaben. Diese wollen wir in der Zukunft weiterführen“, sagt Ortwin Wiebecke, der Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Tübingen (swt). „Gerade mit Blick auf die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung ist das Uhlandbad zudem beispielhaft für die Sonderrolle Tübingens und die Strategie umweltfreundliche Energieerzeugung mit möglichst vielen Aufgabenfeldern der Stadtwerke zu verbinden.“ Erst im vergangenen Jahr wurde das Blockheizkraftwerk im Uhlandbad saniert. Im Freibad heizen Sonnenkollektoren der Solarthermie-Anlage, die auf dem Dach der Betriebsräume installiert ist, das Wasser in den Schwimmbecken umweltfreundlich ein. 

„Wasser ist zum Waschen da“. Dieser Erkenntnis sind offensichtlich in den Folgejahren nach der Eröffnung des neuen, zentral gelegenen Hallenbades viele Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Denn schon im zweiten Betriebsjahr hatte sich die Besucherzahl verdreifacht. Dabei war das, nach dem schwäbischen Dichter Ludwig Uhland benannte Bad, nicht das einzige in Tübingen. Neben dem Uhlandbad und dem städtischen Freibad, das damals am Neckar gelegen war, verzeichnete das Adressbuch von 1914 noch vier private Badeanstalten. Badengehen hatte damals auch eine wichtige hygienische Funktion angesichts der noch nicht durchgängigen Ausstattung der Wohnungen mit eigenen Bädern. „Volksbäder“, wie sie seit Ende des 19. Jahrhunderts Mode waren, dienten daher sowohl für Sport und Freizeitvergnügen, als auch für die Körperpflege und Therapie. Insbesondere vonseiten der Universität mit damals 2.000 Studenten wurde daher der Ruf nach einer „überdachten Badeanstalt“, laut. 1906 legte der Gemeinderat daher Geld in einem „Badfonds“ an, an dem sich das Königliche Ministerium für Kirchen- und Schulwesen beteiligte. Großzügige Schenkungen kamen zudem auch aus der Bürgerschaft. Aufgrund der „bekannten Unrentabilität“ zögerte der Gemeinderat.

Eine ideale Lösung stellte die vom damaligen städtischen Gaswerk, dem Vorläufer der heutigen Stadtwerke, gefundene kostensparende Wärmequelle dar. Denn der langjährige Betriebsleiter der städtischen Werke, Otto Henig, der zugleich ein cleverer Erfinder war, hatte ein Konzept entwickelt, wie sich die Abwärme aus den Gasöfen im Gaswerk in der Eisenhutstraße für die Warmwasserbereitung nutzen ließ. Diese Art der Fernwärmeversorgung war vor 100 Jahren eine sensationelle Innovation. Begeisterung bei der Fachpresse. Der Vorteil: Kesselhaus, Kamin und Kohlen waren nicht notwendig. Warmes Wasser war so reichlich vorhanden, dass täglich 1/20 des Beckeninhalts ausgetauscht und das gesamte Schwimmbecken dreimal pro Woche neu gefüllt werden konnte.

In der Festsitzung zum 50. Todestag Ludwig Uhlands, am 13. November 1912, gab der damalige Oberbürgermeister Hermann Haußer den Beschluss des Gemeinderates bekannt, ein Bad mit Fernwärmeleitung nach Plänen des Stadtbaumeisters Karl Haug zu errichten.  Die innovative Versorgung mit Fernwärme vom städtischen Gaswerk hatte den bis dahin fehlenden Baustein im Konzept für den Neubau ergänzt: „Als wir uns auf dem Rathaus wieder mal nicht zu helfen wussten und guter Rat  wieder einmal teuer war, … da sind wir unter die Entdecker gegangen“, sagte der damalige Tübinger Oberbürgermeister Hermann Haußer bei der der Eröffnung des Uhlandbades.

Bereits ein Jahr später erzielte das Uhlandbad einen „durchaus erfreulichen Überschuss“ von 6.700 Mark und erfreute sich mit 70.000 Badegästen, davon allein 55.000 in der Schwimmhalle, eines regen Zulaufs. Ende der 1920er Jahre waren es pro Jahr schon über 150.000 Besucherinnen und Besucher. Bis zum Beginn der 1930er Jahre trug sich der Badebetrieb selbst.               

Das Angebot des Uhlandbades war beachtlich: So gab es außer der Schwimmhalle die Brause- und Wannenbäder, ein russisch-römisches Bad mit Dampf- und Heißluftbad, außerdem Kohlensäurebäder und elektrische Lichtbäder. Im Bad konnte man Seifen mit verschiedenen Badezusätzen erwerben, Badetücher und -kleidung ausleihen, sich frisieren lassen oder eine Massage gönnen. Im Dachgeschoss des Vorderbaus zur Karlstraße hin waren Dienstwohnungen für Angestellte untergebracht. Im Untergeschoss befand sich eine Wäscherei und, wie die Recherchen zu Geschichte des traditionsreichen Badeortes aus den Archiven zutage gefördert haben, auch ein Hundebad.

Der Eintritt in die Schwimmhalle kostete zu Beginn 40 Pfennig. Das war etwa so viel  wie der damalige Preis für 1,5 kg Brot. Zum Vergleich: ein Maschinist verdiente damals 58 Pfennig pro Stunde.

Zum Jubiläumsjahr haben die Stadtwerke die Stationen von 1914 bis 2014 in einer Ausstellung auf der Galerie mit Texten, historischen Dokumenten und Bildern auf Tafeln, die rundumlaufend oben auf der Galerie angebracht sind, dargestellt. So können sich Interessierte auf Zeit- und Entdeckungsreise in die 100jährige Geschichte des historischen Hallenbades im Stadtzentrum begeben.

In einem Film mit Zeitzeugenberichten, die sich an ihre ganz persönlichen Erlebnisse im Uhlandbad erinnern, wird die Geschichte  aus unterschiedlichen Perspektiven von der jugendlichen Badenixe, die mit ihren Freundinnen schwimmen ging, bis hin zu heute im Schwimmverein aktiven Sportlerinnen und Sportlern lebendig.

Heute steht das Uhlandbad der Öffentlichkeit ebenso zur Verfügung wie den Schulen und Vereinen, für die das zentral gelegene Bad in direkter fußläufiger Nähe zu den Gymnasien an der Uhlandstraße eine wichtige Sportstätte ist. Während der 1960er und 1970er Jahre mehrfach saniert und umgebaut, ist es heute Anlaufstelle für etwa 70.000 Badegäste pro Jahr.

Mit mehreren Aktionen und besonderen Veranstaltungen feiern die Stadtwerke mit ihren Badegästen das Jubiläumsjahr. Baden wie vor 100 Jahren, d.h. für nur 40 Pfennig (oder 20 Cent), können alle Gäste am Samstag, den 29. März (8-20 Uhr), und am Sonntag, den 30. März (8-19 Uhr). Im angrenzenden Café und Restaurant „Ludwigs“ können Uhlandbadfans eine kleine Belohnung erhalten. Kinder, die an diesen Tagen mit Schwimmflügeln kommen, erhalten eine Kugel Eis gratis, Frauen mit Badehaube bekommen zwei Getränke zum Preis von einem, Männer mit Flossen erhalten zum Essen ein Glas Bier. Für Taucher gibt es am Samstag, den 12. April, von 13 bis 19 Uhr Unterwasserfotos vom Profifotografen. Wer will, kann sich sein persönliches Erinnerungsfoto von diesem Tag mit nachhause nehmen. Am „Tübinger Familientag 2014“, am 6. Juli, ist das Uhlandbad von 11 bis 16 Uhr eine der Stationen des großen Stadtspiels „Kultur für alle“. Und im Herbst sind die Jazz- und Klassiktage voraussichtlich mit einem Konzert zu Gast.

Die Jubiläumsausstellung und der Zeitzeugen-Film sind ab 21. März im Uhlandbad auf der Galerie und im Foyer zu sehen. Im Internet startet ab Ende März eine große Serie mit unterhaltsamen Geschichten von Tübingerinnen und Tübingern, die ihre Erinnerungen ans Uhlandbad erzählen.

Informationen: www.swtue.de/uhlandbad oder www.facebook.com/mitwirker

 

Fotos: de Maddalena

Bildunterschrift 1: 100 Jahre Uhlandbad: ein Grund zum Feiern! Bei der Ausstellungseröffnung zum Jubiläumsjahr (v.l.n.r.): Frank Raible, Abteilungsleiter Bäder und Parkhäuser bei den swt, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, Zeitzeugin Ruth Winkler, Ortwin Wiebecke, der Sprecher der swt-Geschäftsführung und Michael Grözinger, der Leiter des Uhlandbades.

Bildunterschrift 2: Erinnern sich gemeinsam im Film - die Zeitzeugen (v.l.n.r.):  Winfried Huthmacher (als Kind hat er das Uhlandbad besucht, später als Architekt hat es umgebaut),  Bernd Gugel (als Feuerwehrtraucher trainiert er im Uhlandbad), Ruth Winkler (als Kind lernte sie vor 80 Jahren Schwimmen im Uhlandbad, ihr Vater arbeitete an der Kasse), Michael Grözinger (Leiter des Uhlandbades), Erich Lober (ehem. Freibadleiter, arbeitete davor lange Zeit im Uhlandbad), Rainer Ruf (in den 1950er Jahren war er Mitglied im Schwimmverein und dem Sohn des Bademeisters befreundet).

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