

...ging in Tübingen das Licht an.
Die Eisenbahn machte es möglich: 1862 bekam Tübingen sein erstes Gaswerk und eine moderne Straßenbeleuchtung. Damit brach für die Stadt eine neue Zeit an – und die Geschichte der Stadtwerke begann.
Ein Reichsadler mit 3.000 Gasflammen erstrahlte auf dem Marktplatz, als der Festzug eintraf. Am 25. Oktober 1862 leuchteten die neuen Tübinger Gaslaternen zum ersten Mal, die Bevölkerung nahm begeistert Anteil und feierte die ganze Nacht.
Der Fortschritt erreicht Tübingen
Längst hatte das moderne „Leuchtgas“ aus Kohle die Großstädte erobert, als man in Tübingen – abgesehen von 34 Rüböl- Laternen – fast noch im Dunkeln saß. Doch kaum hatte der Anschluss ans Eisenbahnnetz 1861 den Transport der nötigen Kohle möglich gemacht, gab die Universität den Anstoß zur neuartigen Gasbeleuchtung. Auch die Bahn, einige Gastwirte und Geschäftsinhaber meldeten Interesse an. Eine gemeinsame Kommission von Stadt, Universität und Königlicher Bahnhofsinspektion beauftragte am 6. März 1862 den Nürnberger Gaswerksdirektor Emil Spreng mit dem Bau einer „Gasfabrik“ an der Reutlinger Straße. Schon im Oktober war sie fertig.
Gas erobert die Haushalte
„Das Licht, das neu gezündet hat, /
Es leucht’ auch in dem Kopfe! /
Befreie unsre Mus stadt /
Fortan von jedem Zopfe“,
hieß es in einem Gedicht zur Einweihung. Der Alltag war wenig poetisch: Etwa ein Dutzend Arbeiter musste im Gaswerk Schwerstarbeit leisten. Die Nachfrage wuchs rasant, vor allem seitens der Universität. Doch die meisten Tübinger saßen weiterhin im schummrigen Schein von Kerzen und Öllampen. Das Gas war teuer. Erst allmählich wurde es erschwinglich und eroberte die Haushalte. Die Erweiterung des Gaswerks 1898 konnte dem steigenden Bedarf nicht genügen.
Wettkampf mit der Elektrizität
Ein neues Gaswerk musste her. Wegen Rauch und Feuergefahr errichtete man es 1908 fern jeder Bebauung im Gewann Eisenhut. Doch Gas hatte Konkurrenz bekommen: Elektrisches Licht verdrängte ab 1902 die Gasleuchten. Gas wurde nun vor allem als Wärmelieferant genutzt, erleichterte beim Kochen, Waschen, Bügeln und Heizen die tägliche Hausarbeit. Die letzten Gaslaternen in Tübingen erloschen 1935. NS-Zeit und Kriegsjahre brachten Kohlemangel und Lieferbeschränkungen mit sich. 1945 musste das Gaswerk den Betrieb wegen Kriegsschäden zeitweise ganz einstellen. Für Verbrauchsüberschreitungen wurde der Stadtwerkedirektor persönlich verantwortlich gemacht, 1946 gar zu Haft und Geldstrafe verurteilt. Noch im selben Jahr kam das Aus für das marode Tübinger Gaswerk: Eine Ferngasleitung aus Reutlingen sollte die Stadt fortan versorgen. 1948 ging diese in Betrieb.
| Zahlen und Fakten | ||
| 185 | Gaslaternen beleuchteten ab 1862 die Stadt. | |
| 10.137 | Straßenlaternen gibt es heute. | |
| 10 | km lang war das erste Gasleitungsnetz. | |
| 436 | km misst das Erdgasnetz heute. | |
| 500 | m³ Stadtgas konnte das 1. Gaswerk maximal am Tag produzieren, etwa 900.000 kWh im Jahr. | |
| 28.000 | m³ Erdgas pro Stunde beziehen die swt heute maximal. | |
| 1,4 | Millarden kWh Erdgas lieferten die swt im Jahr 2010. | |
| 15 | Mitarbeiter etwa, inkl. Gasmeister und Laternenanzünder, hatte das Gaswerk 1862. | |
| 450 | Mitarbeiter in 8 Sparten arbeiten heute bei den swt. | |